Gütersloh, 24. November 2021. Am Freitagabend um 20:00 Uhr startet mit der Abfahrt im kanadischen Lake Louise der erste Weltcup der alpinen Speedfahrer. Bevor im Februar 2022 in Yanqing (CHN) die Olympia-Medaillen vergeben werden, stehen 14 spannende Speed-Weltcup-Rennen an. Nach einer konstanten, überwiegend von Verletzungen befreiten, letzten Saison spricht der 32-jährige Vize-Weltmeister im Interview über den Saisonstart, Oylmpia und den Zusammenhalt im Team.

Herr Sander,

Sie gehen erstmals als Vize-Weltmeister der Abfahrt in die neue Saison. Ist die Erwartungshaltung deshalb größer als in den Jahren zuvor?

Klar, der Erwartungsdruck ist etwas größer, aber den macht man sich zum Teil selbst. Natürlich möchte ich immer besser werden und habe dementsprechend im Sommertraining Gas gegeben. Vor allem aber möchte ich wieder gut in die Saison starten und habe eine riesige Vorfreude auf die neue Saison.

In der Vorbereitung sind Sie viel unterwegs und sehen teilweise Ihre Teamkollegen häufiger als Ihre Familie. Trotz zahlreicher verletzungsbedingter Rückschläge haben Sie es als Team in der Vergangenheit auch immer wieder geschafft, sehr gute Ergebnisse einzufahren. Wie schaffen Sie es, dass Sie sich gegenseitig motivieren, um immer wieder zu glänzen?

Wir sind ganz schön viel unterwegs und jeder Athlet hatte auf seine eigene Weise schon Rückschlage durch Verletzungen. Auch wenn es ein Einzelsport ist, haben wir in den letzten Jahren viel am Teamzusammenhalt gearbeitet. Durch das gegenseitige Messen im Training steigt die Motivation. Da wir trotz so mancher Rückschläge schon viele Erfolge hatten, wissen wir, dass das der richtige Weg ist und somit die größte Motivation. Wir sind einfach eine super Truppe, die zusammenhält.

Im Gegensatz zum letzten Jahr ist der Weltcup-Auftakt dieses Jahr wieder in Nordamerika. Ein ungewohntes oder vertrautes Gefühl?

Der Weltcup ist dieses Jahr recht klein, was ein vertrautes Gefühl ist. Wir starten klassisch in Lake Louis in die Speed Saison und sind dieses Jahr sogar alle in einem Hotel untergebracht. Das ist einmalig. Es ist sehr schön, alle wieder zu sehen und daher freue mich sehr, wieder in Lake Louis zu sein.

Diese Weltcup-Saison ist auch eine Olympia-Saison. Was haben Sie sich für die anstehende Saison und speziell die Olympischen Spiele vorgenommen?

Olympia endet nichts an meinem generellen Vorhaben: Ich möchte meine letzte Saison toppen. Damit meine ich nicht zwingend eine Gold-Medialle oder einen Sieg, sondern konstant in Top-10 oder Top-5 fahren. Wir haben mit sechs Speedrennen extrem viele Rennen in den nächsten zehn Tagen, daher liegt der volle Fokus darauf, von Rennen zu Rennen zu arbeiten. An die Olympischen Spiele denke ich im Moment noch gar nicht und konzentriere mich auf das Hier und Jetzt und auf das nächste Rennen.

Trotzdem noch kurz zu Olympia: Sie wissen nicht wirklich, was in Peking auf Sie zukommt. Die Strecken konnten nicht von den Weltcup-Fahrern getestet werden, da der geplanteWeltcup ausgefallen ist. Was wissen Sie bisher von den Strecken?

Von Peking weiß man noch nicht viel, das stimmt. Es gab ein kurzes Video, indem die Strecke und eine Drohne zu sehen war, die über die Abfahrtstrecke fährt. Wovon ich ausgehe, ist, dass es sehr kalt und trocken mit aggressiven Schnee werden wird. Vermutlich ähnlich wie bei den letzten Olympischen Spielen in Südkorea. Aber ich möchte mich noch gar nicht mit der Strecke befassen. Niemand kennt die Strecke, also wird es für alle die gleiche Herausforderung. Wenn es soweit ist, lasse ich mich gerne überraschen.

Nun zum Saisonstart: An den ersten beiden Wochenenden stehen bereits sechs Rennen an, also ein Drittel der Saison. Steigt dadurch der Druck?

Der Druck steigt eher nicht. Natürlich möchte ich gut in die Saison starten und bin optimistisch, da ich ein gutes und konstantes Sommertraining hatte. Mittlerweile kenne ich meinen Körper bestens und kann ihn gut einschätzen.

Wenn Sie sich entscheiden müssten, lieber Ihren ersten Weltcup-Sieg oder eine Olympia- Medaille?

Das ist eine schwierige Frage. Der erste Weltcup-Sieg wäre ein Traum, aber eine Olympia- Medaille nochmal etwas ganz Anderes. Beides wäre fraglos sensationell und da möchte ich mich jetzt gar nicht entscheiden.

Sie sind zum ersten Mal als NRW Sportler des Jahres nominiert. Macht Sie das stolz? Wie ist die Verbindung in die Heimat?

Mich hat es sehr überrascht, aber ich habe auch große Konkurrenz und erwarte dementsprechend auch nicht viel. Trotzdem macht es einen sehr stolz. Es ist sehr schön, dass meine Karriere auch aus meiner Heimat so intensiv verfolgt wird, da meine Verbindung dahin weiterhin sehr stark ist. Meine ganze Familie lebt ja auch immer noch im Ennepetal.

Herr Sander, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Saison!

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