|
|
|
Es klingt paradox: Wer im alpinen Ski-Sport nach ganz oben
möchte, muss so schnell wie möglich nach unten. Andreas Sander
ist so einer. Waghalsig stürzt sich der junge Skifahrer seit
Kindesbeinen den Berg hinunter, um irgendwann seinen Lebenstraum
zu erfüllen: Den Traum von der eigenen Gondel.
Andreas Sander wurde am
13.06.1989 geboren. Dies aber nicht, wie man es bei einem
deutschen Skifahrer vermutet, in Süddeutschland; nein, vielmehr
in Westfalen. Gemeinsam mit drei Geschwistern wuchs er in
Ennepetal auf, wo sein Vater in zweiter Generation ein
mittelständisches Unternehmen führt. Nicht allzu verwunderlich
für einen Westfalen, wurde Andreas Sander früh glühender
Anhänger von Borussia Dortmund und träumte von der Laufbahn als
Borusse - wenn da nicht eine andere Leidenschaft „im Wege“
gestanden hätte.
Erste Berührungspunkte mit den Brettern,
die Jahre später für ihn die Welt bedeuten werden, machte er
bereits im Alter von gerade mal zweiJahren; entweder im
Ski-Urlaub mit den Eltern oder aber im heimischen „Ski-Dorado“:
der Teufelswiese in Ennepetal. Obgleich er im Alter von drei
Jahren sein erstes Rennen bestritt – zwischen den Beinen seiner
Tante, weil er es ansonsten noch nicht geschafft hätte - blieb
Skifahren dennoch zunächst ein Urlaubssport.
Erst
nachdem sich Andreas zum stärksten Alpin-Fahrer im Westen der
Republik entwickelte, begann die Intensivierung des
Ski-Trainings. Unzählige Male hieß es freitags nach der Schule
für Andreas und Vater Michael, Kofferpacken und ab in den Schnee
der Alpen. Wahrscheinlich umrundeten die Sanders dabei einmal
den Globus. Dieser Aufwand wurde schließlich im März 2004
belohnt, als Andreas Deutscher Schülermeister wurde – als erster
Westfale überhaupt. Es sollte nicht der letzte Rekord des jungen
Ennepetalers bleiben.
Auch die Talentspäher des DSV wurden auf
den Jungen aus Westfalen aufmerksam, der 2004 die gesamte
bayerische Alpin-Elite seines Altersbereichs hinter sich ließ.
So dauerte es nicht lange bis das Angebot vom Ski-Gymnasium in
Berchtesgaden kam. Fern ab der Heimat und seiner Familie sollte
er bessere Möglichkeiten haben, sein Talent zu entfalten. Für
einen damals 15-Jährigen sicher keine leichte Entscheidung. Die
Verständigungsprobleme sprachlicher Natur mit seinen Mitschülern
und Mannschaftskollegen waren dabei noch das geringste Problem.
Dennoch bewies Andreas Mut sowie Fokussierung auf sein Ziel und
nahm die Herausforderung 2004 an: Ein Westfale zog nach Bayern.
Schnell wurde auch in Berchtesgaden klar, dass Sander kein
westfälischer Ikarus sein kann: 2006 gewann er die Titel des
Deutschen Jugendmeisters in sämtlichen Disziplinen. Zur weiteren
Optimierung seiner sportlichen Entwicklung entschloss sich
Sander schließlich zu einem weiteren Umzug nach Oberstdorf, wo
er bis heute wohnt. Dort stellte er sich der stärkeren internen
Konkurrenz. Belohnt wurde dies 2008 letztlich mit dem
Weltmeistertitel der Junioren im Super G. Damit holte Sander den
ersten Super G Junioren-WM Titel für die deutschen Männer
überhaupt. Dass dieser erste deutsche Titel ausgerechnet von
einem Westfalen und dazu im spanischen Formigal gewonnen wurde,
passt zur ungewöhnlichen Geschichte des jungen Ennepetalers.
Im
Winter 2009/2010 absolvierte Andreas seine erste Saison im
Europacup, dem Unterbau des Weltcups. Auch hier sollte er
Rekorde aufstellen: In Abfahrt und Super-G erzielte er die
besten Ergebnisse eines 20-jährigen Deutschen aller Zeiten.
Die darauffolgende Saison
sollte die beste seiner bisherigen Laufbahn werden. Erstmals
fuhr der damals 21-jährige Westfale im Europacup auf das Podium;
und dies sowohl in Abfahrt als auch im Super G. Aufgrund solcher
Leistungen nominierte der Deutsche Skiverband erstmals für
reguläre Weltcup-Rennen. Und auch hier sollten Erfolge nicht
lange auf sich warten. In Gröden und Chamonix wurden die ersten
Weltcup-Punkte geholt, in Bormio und Kitzbühel unter teils
widrigen Bedingungen denkbar knapp verpasst. Diese sportlichen
Ausrufezeichen beeindruckten den DSV: Andreas Sander wurde
folgerichtig für die Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen
nominiert; als erster Westfale überhaupt nahm er an einer
alpinen Ski-WM teil. Platz 21 im Super G sollte dieses Vertrauen
rechtfertigen. Ein schwerer
Sturz bei der WM-Abfahrt sollte die erfolgreiche Saison abrupt
beenden; so schien es zumindest. Doch Andreas Sander kämpfte
sich zurück und holte am Ort seines Sturzes wenige Wochen später
erstmals die Titel des Deutschen Meisters in Abfahrt und Super
G.
Im Winter 2011/12 wird
Andreas Sander erstmals Teil der regulären Weltcup-Mannschaft
sein; eine erneute Herausforderung für den nunmehr 22-jährigen
Abfahrer der SG Ennepetal.
Übrigens: Eine Herkunft
nördlich des Weißwurstäquators hindert nicht grundsätzlich am
Erfolg im Alpin-Ski. Die erfolgreichste deutsche Skisportlerin
aller Zeiten kam ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen: Katja
Seizinger stammt aus Datteln.
Nicht unerwähnt bleiben
soll, dass Andreas auch an ein Leben nach dem Sport denkt: Seit
dem Abitur 2008 ist er Soldat in der Sportfördergruppe der
Bundeswehr und studiert sogar noch “nebenher”.
Fortsetzung folgt –
Wetten? |